atemtrainer Stefan Völker

Eine Idee aus der Polyvagal-Theorie

Glimmer

Wie Deb Dana unseren Blick auf das Nervensystem veränderte.

Was sind Glimmer?

Glimmer sind kleine Momente, in denen unser Nervensystem Sicherheit, Wohlbefinden oder Verbundenheit erfährt.
Deb Dana hat diese Mikromomente der Regulierung in der therapeutischen Arbeit mit ihren Klienten eingeführt.
Im Gegensatz zu "Triggern", die unser Nervensystem in einen Zustand von Stress oder Gefahr versetzen, vermitteln Glimmer eine Botschaft von Sicherheit und Wohlbefinden.

Wichtig zu verstehen ist: Es geht nicht um große, überwältigende Erlebnisse, sondern um kleine Alltagsmomente, die unser Nervensystem auf sanfte und wohltuende Weise prägen können.

Die Polyvagaltheorie als wissenschaftliche Grundlage

Die Polyvagaltheorie, entwickelt vom amerikanischen Wissenschaftler Stephen Porges, erklärt, wie unser autonomes Nervensystem auf verschiedene Situationen reagiert. Es besteht aus:

  1. dem ventralen Vagus-Ast: fördert Sicherheit, soziale Verbundenheit und Ruhe
  2. dem sympathischen Nervensystem: Aktiviert bei Gefahr die Kampf-oder-Flucht-Reaktion
  3. dem dorsalen Vagus-Ast (ältester Teil): Löst bei lebensbedrohlichen Situationen Erstarrung oder Dissoziation aus

Unser Nervensystem wechselt zwischen diesen drei Zuständen, abhängig davon, ob es eine Situation als sicher, gefährlich oder lebensbedrohlich einschätzt.
Diese Einschätzung geschieht unbewusst durch einen Prozess, den Porges "Neurozeption" nennt.

Wie Glimmer das Nervensystem regulieren

Glimmer aktivieren den ventralen Vagus-Ast unseres Nervensystems und helfen uns, in einen Zustand der Sicherheit und Verbundenheit zu kommen. Bei regelmäßiger Aufmerksamkeit auf Glimmer-Momente kann unser Nervensystem lernen, sich leichter zu regulieren und besser mit Stress umzugehen.

Während unser Gehirn von Natur aus eher auf Gefahren und Negatives programmiert ist (Negativitätsverzerrung), können wir durch bewusstes Wahrnehmen von Glimmer-Momenten positiv auf unsere Nervensystemregulation Einfluss nehmen.

Wo finden wir Glimmer im Alltag?

Glimmer-Momente sind sehr persönlich und individuell. Hier einige Bereiche, in denen wir sie entdecken können:

  1. In der Natur: Der Blick in den Sternenhimmel, Sonnenuntergänge, singende Vögel, ein bunter Schmetterling, das Grün der Wälder
  2. Im Atem: Bewusste Atemzüge, die uns unmittelbar mit unserem Nervensystem verbinden
  3. In Begegnungen: Ein freundliches Lächeln, eine herzliche Umarmung, Momente des Verbundenseins
  4. In Kunst und Musik: Melodien, die uns berühren, schöpferisches Gestalten, Singen
  5. An bestimmten Orten: Plätze, die uns Kraft und Zugehörigkeit vermitteln

Praktische Anwendung von Glimmer

Um Glimmer bewusst für die Nervensystemregulation zu nutzen, kannst du:

  1. Glimmer bewusst wahrnehmen: Nimm dir vor, täglich nach Glimmer-Momenten Ausschau zu halten
  2. Glimmer festhalten: Wenn du einen Glimmer bemerkst, verweile mindestens 30 Sekunden dabei, um das positive Gefühl zu vertiefen
  3. Glimmer sammeln: Führe ein Glimmer-Tagebuch oder reflektiere abends über erlebte Glimmer
  4. Glimmer teilen: Werde selbst zum Glimmer für andere durch ein Lächeln oder eine freundliche Geste

Mit der Zeit wirst du immer mehr Glimmer in deinem Leben entdecken. Dies ist ein Zeichen dafür, dass dein Nervensystem beginnt, sich in Richtung Verbundenheit und Sicherheit zu entwickeln.

Abschließend möchte ich dir einen Satz von Dr. Porges mitgeben, welcher mich eigentlich täglich begleitet:
Bei jeder Interaktion mit einem anderen Menschen hast du die Wahl, ob du eine Ressource oder eine Bedrohung sein möchtest…